Der Verein Internationale Journalisten-Programme (IJP) vergibt seit 1988 Recherche-Stipendien für Arbeitsaufenthalte im Ausland. Mittlerweile bieten die IJP zehn Stipendien-Programme an; jedes Jahr erhalten rund 120 Journalisten im Alter zwischen 23 und 40 Jahren ein Stipendium – sowohl Festangestellte als auch Freiberufler aller Mediengattungen. Wir sprachen mit Martina Johns von der IJP-Geschäftsstelle. Und hier geht es zu unserer Stipendien-Datenbank für Freiberufler.

Die IPJ bieten seit über 30 Jahren Stipendien an. Bekommen Sie seit jeher viele Bewerbungen?

Rund um die Welt: Wo geht die Recherche-Reise hin? © Annika Loewe - Fotolia.com

Einmal rund um die Welt: Wo soll die  Recherche-Reise hingehen? © Annika Loewe – Fotolia.com

Martina Johns: Die Zahl der Bewerbungen hat deutlich abgenommen, allerdings bieten wir auch ein breiteres Portfolio an. Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir früher für 15 Stipendienplätze drei Wäschekörbe voll mit Bewerbungen bekommen haben. Heute erhalten wir zwischen zehn und 20 Bewerbungen pro Stipendienplatz. Insgesamt sind es jährlich rund 1.500 Bewerbungen für 120 Plätze. Die Bewerberzahl hängt auch vom jeweiligen Land ab, für das wir ein Stipendium vergeben.

Woran liegt es, dass Sie heutzutage weniger Bewerbungen bekommen?

Johns: Die Verlage sind mittlerweile viel rigider geworden. Der Druck auf die Redakteure ist gestiegen. Verlage stellen ihre festangestellten Redakteure nicht mehr „einfach so“ für zwei Monate frei, dafür ist die Arbeitsbelastung zu hoch. Außerdem haben viele Stipendiaten früher ihr volles Gehalt weiter bezahlt bekommen. Das kommt heute auch seltener vor. Es ist ein Kulturwandel, den man nicht leugnen kann.

Und wie sieht es bei den Freiberuflern aus?

Johns: Viele Freiberufler fürchten, dass sie ihren Kundenstamm verlieren und ein anderer Freier an ihre Stelle rückt. Aus dem Ausland heraus lassen sich oft nur begrenzt Geschichten absetzen. In jedem Land sitzen ja auch etablierte Korrespondenten, die jeden Tag Artikel liefern. Man muss es also gut planen, wenn man für zwei Monate ins Ausland gehen möchte.

Mit wie viel Euro unterstützen die IJP ihre Stipendiaten?

Johns: Die Stipendiaten erhalten zwischen 3.000 und 5.000 Euro, je nach Programm. Damit müssen sie ihre Reisekosten, Unterkünfte, Versicherung und Visum begleichen.

Muss ich als Bewerber eigentlich hochbegabt oder bedürftig sein, um ein Stipendium zu erhalten?

Johns: Nein, natürlich nicht. Leidenschaft für den Beruf, für eine Region und der Wille unter ungewohnten Bedingungen zu arbeiten, sind wichtige Kriterien. Wir sind niemandem verpflichtet und müssen auch keine Quote einhalten.

Wie entscheiden Sie sich denn für einen Kandidaten?

Johns: Im Auswahlgespräch sind der jeweilige Projektleiter, ein Mitglied des IJP-Vorstands und ein bis zwei externe Journalisten anwesend. Je nach Programm führen wir auch Auswahltagungen durch, und gelegentlich Telefoninterviews oder Einzeltreffen. Die Entscheidung für einen Kandidaten hängt von einer Reihe von Faktoren ab: Wir wollen wissen, ob der potenzielle StipendiatIn wirklich hinter seiner Recherche-Idee steht und sein Projekt ordentlich ausgearbeitet hat. Wir suchen JournalistInnen mit Biss und Herzblut. Wir achten aber auch auf die Zusammensetzung der Gruppe, schließlich soll daraus ein lebendiges Netzwerk entstehen. Und wir überlegen, wem wir durch das Stipendium einen beruflichen Schub geben können. Bei einigen Teilnehmern hat sich nach dem Stipendium das gesamte Berufsleben geändert. Sie kehren mit vielen neuen Eindrücken zurück, haben danach eine „Mission“ und werden häufig im Redaktionsalltag gezielter eingesetzt.

Warum bewerben sich Journalisten eigentlich für ein IJP-Stipendium?

Johns:  Viele möchten ihrer Karriere einen Schub geben und ihren Status in der Redaktion verbessern. Wer Experte für ein bestimmtes Land ist, hat langfristig immer gute Karten. Aber viele möchten auch in den zwei Monaten reflektieren: Wo stehe ich eigentlich? Wie arbeite ich? In anderen Ländern findet Journalismus unter völlig anderen Umständen statt – wenn wir zum Beispiel an Russland denken. Und in den USA wird mit ganz anderen Methoden gearbeitet. Daraus kann man viel lernen.

Wie viele Journalisten haben mittlerweile an Ihren Stipendienprogrammen teilgenommen?

Johns: Wir haben mittlerweile gut 1.900 Alumni. Das ist eine stolze Zahl. So ist über die Jahre ein großes, lebendiges Netzwerk entstanden. Auch für unsere Ehemaligen bieten wir mittweile etwas an: Mit den Research Grants können Sie erneut ein Stipendium für eine Recherche-Reise erhalten.

Vielen Dank für das Gespräch!

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