Manfred Dilling ist Vorsitzender des Professional Imagers Clubs, kurz PIC. Der PIC-Verband vergibt jedes Jahr Stipendien an junge Fotografen, die in die Selbstständigkeit gestartet sind. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden über das PIC-Stipendium. Und hier geht es zu unserer Stipendien-Datenbank für Freiberufler.

Das PIC-Stipendium richtet sich explizit an junge Fotografen und Existenzgründer. Warum haben Sie die Berufseinsteiger besonders im Blick?

Kindheitstraum Fotograf: Wer sich als Berufseinsteiger durchsetzen will, braucht ein gutes Netzwerk. © Andrey Kiselev - Fotolia.com

Kindheitstraum Fotograf: Wer sich als Berufseinsteiger durchsetzen will, braucht ein gutes Netzwerk. © Andrey Kiselev – Fotolia.com

Manfred Dilling: Junge Fotografen haben häufig keinen Kontakt zu den vorhandenen Strukturen und Netzwerken. Sie baggern sich alleine durch. Aber diese Strategie ist häufig nicht von Erfolg gekrönt. Wir wollen mit Praxiswissen, Berufserfahrung und Weiterbildung den jungen Kollegen den Einstieg erleichtern und ihnen die Vorteile einer starken Berufsgemeinschaft vermitteln. Viele Fotografen sind Einzelkämpfer. Aber der Einzelkämpfer hat es sehr schwer auf dem Markt und hat meiner Meinung nach langfristig keine Zukunft.

Warum hat man es als Einzelkämpfer schwer?

Dilling: Zum einen entwickelt sich die Technik wahnsinnig schnell. Heutzutage kann jeder mit seinem Handy fotografieren. Gleichzeitig verlangen viele größere Kunden immer komplexere Lösungen, wie zum Beispiel 3-D-Bilder. Einfach nur mit der Kamera in der Hand stehen und sagen „Hier bin ich“ – das ist heutzutage zu wenig.

Wie geht man mit dieser Situation um?

Dilling: Fotografen sollten sich bewusst ein Netzwerk aus kompetenten Kollegen aufbauen, abhängig von ihren Stärken und Schwächen. Der eine Fotograf kennt sich sehr gut mit Software-Programmen aus, der nächste möchte vor allem mit der Kamera arbeiten. Auch aus den benachbarten Berufen wie Text und Grafik gibt es viele gute Kollegen, mit denen man gemeinsam spannende Projekte umsetzen kann. Bekommt man dann einen größeren Auftrag, muss man ihn nicht ablehnen.

Wie wichtig ist dem Professional Imagers Club der Netzwerk-Gedanke?

Dilling: Es war unser Gründungsgedanke, dass wir einen stärkeren kollegialen Austausch brauchen. Wir sind ein recht junger Verein und bestehen seit 1995. Wir haben ungefähr 100 Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Arbeitsbereichen: Aus der Werbung, Portraitisten, Architekturfotografen, Fotografen, die sich mit Prints und Proofs auseinandersetzen. Auch Druckereien und Grafiker sind mit an Bord.

Wie sieht ihr „Vereinsleben“ aus? Und wie können die Stipendiaten davon profitieren?

Dilling: Wir haben unter anderem eine intensiv genutzte Email-Liste. Selbst  komplizierte Fragen zu Technik oder Materialien werden oft in Minuten gelöst. Es ist eine hoch-effiziente Hilfe. Außerdem führen wir vier mal im Jahr zweitägige Workshops mit praxisorientierten Themen durch. Unsere Stipendiaten können dieses Netzwerk nutzen und die Workshops besuchen, ohne etwas dafür zu bezahlen. Insgesamt hat das Stipendium einen Gegenwert von 5.000 Euro. Von Sponsoren aus der Industrie werden die Kosten übernommen. In diesem Jahr haben wir fünf Stipendiaten aufgenommen. Es hängt auch immer davon ab, wie viele Sponsoren wir für das Stipendienprogramm gewinnen können.

Wie viele junge Fotografen haben sich denn für ein Stipendium beworben? Und wie entscheiden Sie, wen Sie nehmen?

Dilling: Für 2013 haben sich etwa 40 Personen beworben. In unserer Jury sitzen neben dem Vereinsvorstand Kollegen von Fachzeitschriften, Agenturen und Hochschulen. Wir fragen uns bei jeder Bewerbung: Wie viel Entwicklungsmöglichkeiten hat die junge Fotografin oder der junge Fotograf? Ist der Bewerber ernsthaft an dem Beruf und an der Selbständigkeit interessiert?  Natürlich muss der Auftritt auch professionell sein und die Qualität der Fotos stimmen. Häufig ist die Entscheidung nicht einfach.

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen zum PIC-Verband unter http://www.pic-verband.de

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