Das Handwerk bleibt das Gleiche - alles andere ändert sich. © stillkost - Fotolia.com

Das Handwerk bleibt das Gleiche – alles andere ändert sich. © stillkost – Fotolia.com

Fast jeder Freiberufler hat schon während des Studiums als freier Mitarbeiter gearbeitet. Sei es bei Verlagen oder anderen Unternehmen. Die freie Mitarbeit ist oft der Ursprung für die spätere Freiberuflichkeit. Man kennt sich aus in der Branche und weiß, wie der Hase läuft. Zumindest denkt man das.

Wer dann den Sprung in die Selbstständigkeit wagt, der sollte wissen: Freier Mitarbeiter und Freiberufler – das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe! Man muss den Freien Mitarbeiter hinter sich lassen.

Als freier Mitarbeiter

Beispiel Lokalzeitung: Viele “Freie” (also freie Mitarbeiter) arbeiten als Studenten in einer Redaktion. Freier Mitarbeiter, das heißt im Klartext: Ein Knochenjob für kleines Geld. Viele Zeitungen zahlen ein sehr niedriges Zeilenhonorar – und das nicht ohne Grund: Erstens sind die freien Mitarbeiter keine ausgebildeten Redakteure. Und zweites wollen sie es gerne werden…

Als freier Mitarbeiter sitzt man an der “verlängerten Werkbank”: Der festangestellte Redakteur hat seine Seite zu füllen, aber keine Zeit zum “Termin” vor Ort zu fahren. Also liefert man als freier Mitarbeiter der Redaktion zu. Man schuftet also dafür, um später einen Volontariatsplatz zu ergattern. Über Honorare wird dabei natürlich nicht verhandelt. Und selten darüber, welche Themen man gerne bearbeitet und welche nicht. Häufig herrscht ein unausgesprochener Druck: Wer Termine ablehnt, der gerät ins Hintertreffen. Vielleicht übernimmt der nächste Praktikant den Job als neuer freier Mitarbeiter. Und schon wars das mit der Karriere. Zumindest bei dieser Lokalzeitung.

Auch unter den vielen “hauptberuflichen” Freiberuflern in Deutschland gibt es jede Menge freie Mitarbeiter. Sie arbeiten in der Regel nur für einen Arbeitgeber, haben sogar manchmal einen festen Schreibtisch – und sind demnach streng genommen Scheinselbstständig. Erst kürzlich erzählte mir ein Journalist, dass er es gegen seinen Chef “durchgesetzt” hat, auch für eine andere Zeitung zu schreiben…. Das ist eine Selbstverständlichkeit!

Als Freiberufler… 

Als Freiberufler ist man frei! Das heißt: Man sitzt in der Regel in seinem eigenen Büro (oder zu Hause) und nicht bei einem Kunden auf dem Schoß – auch wenn dies zum Beispiel bei IT-Freiberuflern häufig der Fall ist. Als Freiberufler arbeitet man selbstverständlich für verschiedene Kunden oder an eigenen Projekten und muss sich dafür nicht rechtfertigen.

Dazu gehört auch das Verhandeln über Honorare und Aufträge. Also genau das, was man in seiner Karriere als freier Mitarbeiter nicht gelernt hat. Wer sich immer noch als freier Mitarbeiter sieht (oder so behandelt wird), der wird einfach keine großen Sprünge machen können. Deswegen ist es wichtig, dass man als Freiberufler nicht nur einen Auftrag nach dem nächsten abarbeitet, sondern sich mit Akquise- und Verhandlungs-Strategien auseinandersetzt.

Leider herrscht auch bei Freiberuflern häufig ein impliziter Druck: “Wer Aufträge ablehnt, der wird früher oder später aussortiert.” Solche Aussagen hört man von vielen, die schon seit Jahren oder Jahrzehnten im Geschäft sind. Nur welche Konsequenzen hat das? Man muss aussortieren – bevor man selbst aussortiert wird. Man muss sich eine Position der Unabhängigkeit erarbeiten und wahren. Denn letztlich ist jeder Kunde genau so abhängig von seinen Freiberuflern. Oder welche Zeitung überlebt schon ohne ihre “Freien”?

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Interessanter Beitrag zum Unterschied freier Mitarbeiter und Freiberufler. Auch sollte man als Freiberufler schon mal etwas von Fibu und weiterführenden Dingen gehört haben 🙂 Ansonsten kann es mächtig Probleme haben. Freiberufler haben eben einfach mehr Verantwortung. Aber eben auch viele Freiheiten. Weiter so!

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